3 Übungen für authentische Vorträge

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3 Übungen für authentische Vorträge

“Sei einfach du selbst!” Der wahrscheinlich schlechteste Ratschlag für Menschen, die eine Rede vor Publikum halten sollen und sich nicht wohl in ihrer Haut fühlen. 

Selbst gestandene Redner:innen kennen das Gefühl kurz vor dem Auftritt auf der Bühne: Pulsrasen, kalte Hände, trockener Mund und tausend Gedanken, die gleichzeitig durch den Kopf schwirren. In einer solchen Situation “ganz man selbst” zu sein: eine ziemliche Herausforderung. 

Heute möchte ich Ihnen drei praktische Tipps geben, mit denen Ihre Vorträge ganz locker, authentisch und natürlich wirken – auch, wenn Sie aufgeregt sind.

Authentische Auftritte sind Übungssache

“If I don’t practice one day, I know it; two days, the critics know it; three days, the public knows it.”Jascha Heifetz, Violinist 

Es sieht ganz einfach aus: TED-Speaker wirken auf der Bühne, als würden sie eine lockere Unterhaltung unter Freunden führen, anstatt einen Vortrag zu halten, der später von Millionen von Menschen gesehen wird. Wie geht das?

Menschen wirken authentisch, wenn ihre Mimik und Gestik, ihr Sprechtempo und ihre Betonung mit dem übereinstimmen, was sie gerade sagen. Passen die nonverbalen Zeichen nicht zum gesprochenen Inhalt, entsteht ein Störgefühl beim Publikum. Die Folge: Menschen werden Ihren Worten nicht trauen. Dieses Vertrauen ist jedoch entscheidend, wenn Sie eine Verbindung zu Ihrem Publikum herstellen und es von Ihrer Botschaft überzeugen wollen. 

Die gute Nachricht ist: Eine authentische Bühnenpräsenz kann man erlernen. Schauen Sie sich zum Beispiel Aufzeichnungen von Steve Jobs` ersten Präsentationen in den 1970ern an. Er wirkte nervös und steif, hielt sich am Rednerpult fest und las weite Teile seiner Vorträge ab. Von Jahr zu Jahr wurde er besser und seine Auftritte authentischer. Bis heute gilt Jobs als einer der charismatischsten Redner seiner Zeit. Er war kein Naturtalent. Seine Vorträge wirkten so locker und entspannt, weil er Stunden um Stunden an Arbeit und Übung investierte. 

So wirken Ihre Vorträge locker und authentisch

#1 Videoanalyse 

Sich selbst sprechen zu hören oder auf Video zu sehen – für viele Menschen ein Graus. Dieser Blick von außen ist jedoch Gold wert, um Ihre Wirkung auf der Bühne und vor Publikum zu verbessern. 

Überwinden Sie sich und zeichnen Sie sich auf, wenn Sie Ihren nächsten Vortrag proben. 

Es reicht, wenn Sie dazu Ihr Handy aufstellen und mitlaufen lassen. Schauen Sie sich das Video anschließend auf einem größeren Bildschirm, zum Beispiel auf Ihrem iPad oder Laptop an. Sie werden erstaunt sein, welche wiederkehrenden unbewussten Gesten und Füllwörter Sie bei sich entdecken. Nutzen Sie diese Erkenntnisse und achten Sie beim Üben darauf. 

Hier ein paar Anregungen, die Ihnen bei der Analyse Ihres Vortrags helfen sollen: 

  • Sprechen Sie schnell oder langsam, laut oder leise? 
  • Welche Füllwörter verwenden Sie? Wie könnten Sie diese ersetzen bzw. abstellen?
  • Ist Ihre Tonlage hoch oder tief?
  • Sprechen Sie deutlich und klar?
  • An welchen Stellen betonen Sie? 
  • Halten Sie Augenkontakt mit dem Publikum (der Kamera)? 

#2 Testpublikum

Kein Blockbuster kommt ohne vorheriges Test-Screening in die Kinos. Filmstudios prüfen vor der Premiere intensiv an einem ausgewählten Publikum, wo ihr Film noch Schliff braucht und wie die Geschichte ankommt beim Publikum. 

Sehen Sie Ihren nächsten Vortrag als die Blockbuster-Produktion, die er werden soll und testen Sie seine Wirkung an einem ausgewählten Publikum. Ob unter Kolleg:innen in einem Konferenzraum oder unter Freund:innen und Bekannten zuhause: Bitten Sie Ihre Zuschauer:innen um offenes, ehrliches Feedback. Nutzen Sie dieses Feedback, um die Stärken in Ihrem Vortrag zu identifizieren, Schwächen auszubessern und Ihre Geschichte noch überzeugender zu machen. 

Ziert sich Ihr Publikum bei der anschließenden Kritik, können folgende Fragen helfen:

  • Was war die Kernaussage, die bei dir hängen geblieben ist?
  • Wo habe ich dich emotional berührt, wo gelangweilt? 
  • War mein Vortrag verständlich, wo bräuchtest du mehr Erklärung? 
  • Wie klar war der Einstieg in das Thema? 
  • Braucht es mehr Beispiele zur Illustration? Braucht es eine Übersicht über das ganze Thema?
  • Was ist der EINE Punkt, den ich unbedingt beibehalten sollte?
  • Was ist der EINE Punkt, an dem ich arbeiten sollte?

#3 Üben, üben, üben

Sie kennen wahrscheinlich die 10.000-Stunden-Theorie: Demnach braucht es 10.000 Stunden an Übung, um eine neue Fähigkeit zu lernen und zu beherrschen. Dasselbe gilt für das Sprechen vor Publikum. 

Nehmen Sie sich also Zeit und proben Sie Ihren Auftritt wieder und wieder. So machen Sie sich die Inhalte zu eigen und werden von Mal zu Mal sicherer, lockerer und authentischer.

Fazit

Es gibt keine geborenen Redner:innen. Natürliche, authentische Vorträge sind vor allem eins: das Ergebnis davon, wie lange und intensiv sich ein:e Redner:in auf den Auftritt vorbereitet hat. 

Ich empfehle meinen Speaker-Coachees, in drei Stufen vorzugehen: 

  1. Üben Sie erstmal alleine, um Ihre Kernaussagen, die Dramaturgie und den roten Faden zu entwickeln. 
  2. Üben Sie anschließend vor der Kamera, damit Sie unbewusste Asynchronitäten zwischen Ihren verbalen und nonverbalen Aussagen entdecken und ausbessern.
  3. Und zuletzt testen Sie Ihren Vortrag vor ausgewähltem Publikum und nutzen Sie das Feedback, um Ihrem Auftritt den letzten Schliff zu geben.

Werden Sie nicht müde, Ihren Vortrag zu üben. Gehen Sie ihn gedanklich immer wieder durch und feilen Sie daran. Oder wie es Violinist Jascha Heifetz ausdrückte:

“Practice like it means everything in the world to you. Perform like you don’t give a damn.”

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